Hypnosystemische Psychosomatik

Psychosomatik als medizinische Disziplin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen körperlichen, sozialen und psychischen Phänomen. Der Begriff impliziert dabei eine Richtung der Wechselwirkungen, als würde die Psyche linear-kausal einen Einfluss auf den Körper ausüben („Das kommt von der Psyche…“). Nach heutigem Forschungsstand ist diese Vorstellung jedoch überholt und wird der Komplexität des Wechselspiels zwischen diesen Phänomenbereichen nicht gerecht. Psyche, Kommunikation und biologischer Organismus bilden jeweils füreinander Umwelten und können sich nicht direkt im Sinne einer linearen Ursache-Wirkungs-Beziehung beeinflussen. Allerdings können sie sich in unterschiedlichster Weise wechselseitig in ihrer inneren Funktionslogik „verstören“ und ihr dynamisches Gleichgewicht dadurch verändern. Weil diese Art von Veränderungsanregung aber rekursiv und in alle Richtungen möglich ist, könnte man mit dem gleichen Recht z.B. auch von „Somatopsychik“ sprechen.

Mein Verständnis von psychosomatischer Medizin ist maßgeblich geprägt vom hypnosystemischen Integrationsmodell, das von Dr. Gunther Schmidt als eine Verbindung kompetenzaktivierender, hypnotherapeutischer Konzepte nach Milton Erickson mit ressourcen- und lösungsorientierten systemisch-konstruktivistischen Ansätzen der sogenannten „Heidelberger Schule“ entwickelt wurde.

Dieser Ansatz geht davon aus, dass sich menschliches Erleben durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit in jedem Augenblick, gewissermassen Sekunde für Sekunde, in einem Prozess der Selbstorganisation aktiv neu erzeugt. Das gegenwärtige Erleben ist dabei stets das Ergebnis eines Zusammenspiels bewusster Prozesse mit unbewussten und unwillkürlichen. Probleme oder Symptome werden aus dieser Logik heraus als wertvolle „Feedback“-Informationen des Organismus über die eigene Bedürfnislage und als „Lösungsversuche mit Preis“, verstanden.

Das Potenzial unbewusster und unwillkürlicher Prozesse lässt sich im Zuge hypnosystemischer Arbeitsweisen nutzen, um Klient*innen den Zugang zu ihren eigenen, bereits in ihnen vorhandenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen zu ermöglichen. Dieses in jedem vorhandene – aber nicht immer mit den Situationen in denen man es gut brauchen kann verknüpfte – Kompetenzrepertoire lässt sich auch nach schwersten Vergangenheitsbelastungen für eine erfüllende Lebensgestaltung konstruktiv und nachhaltig wirksam aktivieren und vernetzen. Die Entwicklung einer beobachtenden inneren Steuerposition ist dabei häufig ein wesentlicher Schritt in der therapeutischen Kooperation, der Klient*innen befähigt, aktuellen und zukünftigen Herausforderungen kraftvoll, zieldienlich und situationsangepasst zu begegnen.

Für eine systemische Betrachtungsweise ist darüber hinaus die Berücksichtigung der Wechselwirkungsdynamik in den relevanten Beziehungssystemen wichtig. Dies bedeutet unter anderem, die unterschiedlichen Auswirkungen von Problem- und Lösungsverhalten auf das jeweilige Umfeld zu überprüfen, sowie ein Verständnis für die kontextbezogene Sinnhaftigkeit der Symptomatik zu entwickeln.