Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, in den meisten Ländern als „Psychodynamische Psychotherapie“ bezeichnet, ist ein wissenschaftlich anerkanntes Therapieverfahren und entstand als eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse.  Obwohl sie von ähnlichen theoretischen Grundannahmen ausgeht, unterscheidet sie sich von ihrer „Mutterwissenschaft“ hinsichtlich Behandlungstechnik, Häufigkeit der Therapiesitzungen und Gesamtdauer der Behandlung.

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird angenommen, dass Menschen während ihrer Kindheit und im Laufe späterer Lebensphasen Erfahrungen mit sich und ihren Bezugspersonen machen, die sich zu mehr oder weniger stabilen Erlebens- und Verhaltensmustern verdichten. Diese Muster können im Falle einer ähnlichen Erfahrung im „Hier und Jetzt“ abgerufen werden und ermöglichen es so, auf unterschiedlichste Anforderungen in der Gegenwart reagieren zu können. Darüber hinaus helfen sie z.B., eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie sich andere Menschen im Zuge dieser Reaktion ihrerseits fühlen und zukünftig verhalten könnten.

In Beziehung zu sich selbst und in Beziehungen mit anderen kommt es geradezu zwangsläufig zu bewussten oder unbewussten motivationalen Widersprüchen und Konflikten. Diese inneren und äußeren Spannungsfelder oder „Zwickmühlen“ werden dann auf Grundlage der bisher erworbenen Erlebens- und Verhaltensmuster versucht zu bewältigen. Welche „alten“ Erlebensweisen in der Gegenwart aktiviert werden, hängt jedoch nicht nur von den eigenen Erfahrungen, sondern ganz wesentlich auch vom jeweiligen Kontext ab.

Psychische und psychosomatische Symptome können sich im Zusammenhang mit solchen Konflikten, ihren Lösungsversuchen oder im Hinblick auf die in der Vergangenheit erworbenen Erlebens- und Verhaltensmuster entwickeln.

In der Psychotherapie geht es zunächst darum, gemeinsam mit dem Therapeuten eine freundliche und wohlwollende Perspektive auf die in der Vergangenheit erworbenen Bewältigungsmöglichkeiten zu entwickeln, die in aller Regel als sinnvolle Anpassungsstrategien an die damalige Lebensrealität entstanden sind. Auf Basis dieser Sichtweise lässt sich dann gemeinsam herausfinden, in welchen Situationen, Beziehungszusammenhängen oder Lebensphasen es hilfreich wäre, die früher erworbenen Muster und Lösungsstrategien zukünftig zu variieren oder zu verändern – und in welchen Zusammenhängen es vielleicht zunächst sogar besser wäre, noch für einige Zeit auf „Altbewährtes“ zu setzen.